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Wunsch und Wirklichkeit

Manchmal ziehen wir eine Karte, lesen ihre Worte und beginnen sofort nach ihrer Bedeutung zu suchen.

So ging es auch mir.

"Wunsch und Wirklichkeit"

Zunächst empfand ich diese Worte als Gegensatz. Als würden sie sagen, dass zwischen dem, was wir uns wünschen, und dem, was unser Leben gerade zeigt, eine unüberwindbare Distanz liegt.

Doch je länger ich die Karte betrachtete, desto mehr begann sie zu mir zu sprechen.

Auf ihr ist ein Phönix zu sehen.

Nicht im Feuer.

Nicht im Moment seines Untergangs.

Sondern bereits verwandelt.

Kraftvoll. Würdevoll. Voller leuchtender Farben.

Da wurde mir bewusst, dass der Phönix gar nicht für den Wunsch steht.

Er steht für die Verwandlung.

Zwischen unserem Wunsch und der Wirklichkeit liegt oft ein Weg, den wir am liebsten überspringen würden. Wir wünschen uns Klarheit, Frieden oder Heilung und hoffen, möglichst schnell dort anzukommen.

Doch das Leben kennt selten Abkürzungen.

Es führt uns Schritt für Schritt durch Erfahrungen, Erkenntnisse und Begegnungen, die uns verändern – manchmal so leise, dass wir es selbst kaum bemerken.

Und plötzlich tauchte in mir ein neuer Gedanke auf.

- Vielleicht sind Wunsch und Wirklichkeit gar keine Gegensätze. -

Vielleicht ist der Wunsch die leise Erinnerung unserer Seele an das, was bereits in uns angelegt ist.

Und die Wirklichkeit ist der Weg, auf dem diese Erinnerung langsam Gestalt annimmt.

Der Wunsch zeigt uns eine Richtung.

Nicht, weil uns etwas fehlt.

Sondern weil unsere Seele bereits weiß, was in uns wachsen möchte.

Die Wirklichkeit wiederum schenkt uns genau die Erfahrungen, die wir brauchen, um diesen inneren Ruf leben zu können.

Vielleicht fragen wir deshalb manchmal:

"Wann wird mein Wunsch endlich Wirklichkeit?"

Doch vielleicht lautet die eigentliche Frage:

"Wie hat mein Wunsch mich bereits verändert?"

Denn jeder Herzenswunsch trägt eine schöpferische Kraft in sich.

Er ruft uns nicht nur zu einem Ziel.

Er lädt uns ein, zu dem Menschen zu werden, der dieses Ziel verkörpern kann.


Der Phönix erinnert mich daran, dass Verwandlung nicht erst dann beginnt, wenn alles anders geworden ist.

Sie beginnt in dem Moment, in dem wir bereit sind, unserem inneren Ruf zu vertrauen.

Und vielleicht erkennen wir eines Tages, dass unser Wunsch niemals außerhalb von uns lag.

Er war immer schon ein Teil unseres Wesens.

Eine Erinnerung.

Ein inneres Wissen.

Ein leises Flüstern unserer Seele.

Dann sind Wunsch und Wirklichkeit keine zwei verschiedenen Welten mehr.

Sie werden zu einem gemeinsamen Weg.

Der Wunsch weist die Richtung.

Die Wirklichkeit trägt unsere Schritte.

Und irgendwann erkennen wir:

Wir sind nicht nur unserem Wunsch näher gekommen.

Wir sind auch uns selbst näher gekommen.

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