
Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt.

Tja.
Manchmal denke ich wirklich, das Leben hat seinen ganz eigenen Humor.
Da hatte ich eine Vorstellung davon, wie etwas sein wird.
Okay. So wird es.
Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt und es fühlte sich für mich stimmig an.
Dann kam der Moment:
Ähm … nein.
Alles falsch. Noch mal von vorne.
Also gut.
Dann eben anders.
Auch das fühlte sich stimmig an. Ich habe es angenommen und mich darauf eingestellt.
Und dann kam das Leben wieder mit seinem kleinen:
Ätschebätsch!
Denn plötzlich stellte sich heraus:
Es war gar nicht falsch.
Es war nur anders, als ich gedacht hatte.
Ich hatte zwei Dinge gesehen und sie voneinander getrennt. Für mich waren es zwei Möglichkeiten, zwischen denen ich wählen musste.
Was ich vorher nicht sehen konnte, war der Zusammenhang.
Denn eigentlich gehören beide zusammen.
Wie zwei Zahnräder, die zunächst aussehen, als hätten sie nichts miteinander zu tun.
Erst wenn sie ineinandergreifen, entsteht Bewegung.
Und plötzlich war da dieses kleine Aha:
Ich musste mich gar nicht entscheiden.
Ich musste nur erkennen, dass ich bisher zwei Teile eines Ganzen gesehen hatte.
Und genau da liegt für mich inzwischen noch etwas viel Tieferes.
Denn vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, uns für die eine oder andere Seite zu entscheiden.
Nicht darum, nur in der sichtbaren, irdischen Welt zu bleiben.
Aber auch nicht darum, uns so weit ins Geistige zu entfernen, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren.
Ein Höhenflug allein bringt uns nicht weiter.
Und tief verankert zu sein, ohne uns nach oben zu öffnen, ebenso wenig.
Beides braucht einander.
Wir brauchen unsere Erdung.
Unseren Körper.
Unsere Gefühle.
Unser Erleben.
Unser ganz reales Leben.
Und wir brauchen ebenso unsere Verbindung nach innen und nach oben.
Unsere Seele.
Unsere Intuition.
Unser Bewusstsein.
Das, was wir nicht immer sehen, aber tief in uns spüren.
Das eine ist nicht weniger wert als das andere.
Und keines von beidem muss verschwinden, damit das andere Raum bekommt.
Heilung bedeutet für mich heute nicht, eine Seite zu überwinden.
Heilung bedeutet, wieder Verbindung herzustellen.
Die verschiedenen Teile von uns dürfen wieder miteinander wirken.
Und genau dort kommt für mich das Herz ins Spiel.
Denn erst wenn wir beide Seiten durch das Herz miteinander verbinden, entsteht etwas Neues.
Etwas, das vorher noch nicht da war.
Unser Weg.
Vielleicht ist es genau das, was uns manchmal fehlt, wenn wir uns verloren fühlen:
Wir versuchen, einen Teil von uns loszuwerden, weil wir glauben, er würde uns auf unserem Weg behindern.
Oder wir klammern uns an einen Teil, weil wir glauben, nur dort Sicherheit zu finden.
Dabei geht es vielleicht gar nicht darum, weniger von uns zu werden.
Sondern darum, wieder ganz zu werden.
Das Irdische und das Geistige.
Das Fühlen und das Verstehen.
Das Verwurzeltsein und das Öffnen.
Das Leben hier und die Verbindung zu dem, was größer ist als wir.
Nicht nebeneinander.
Nicht gegeneinander.
Sondern miteinander.
Und wenn diese Verbindung wieder entsteht, verändert sich auch unser Weg.
Er wird wieder hell.
Und irgendwann wieder bunt.
Nicht, weil plötzlich alles im Außen perfekt ist.
Sondern weil wir beginnen, alle Farben unseres Lebens wieder zu leben.
Vielleicht ist genau das Balance.
Nicht die Mitte zwischen zwei Extremen zu suchen.
Sondern alle Teile von uns so miteinander zu verbinden, dass keiner mehr ausgeschlossen werden muss.
Denn vielleicht brauchen wir nicht weniger von uns.
Vielleicht brauchen wir einfach mehr von unserem Ganzen.
Tja …
Erstens kommt es anders.
Und zweitens als man denkt.
Und manchmal lautet die Antwort auf beides einfach:
„Warte noch. Du hast noch nicht alle Teile gesehen.“
Vielleicht war nichts davon falsch.
Vielleicht hat nur die Verbindung gefehlt.
Und vielleicht beginnt genau dort unser Weg des Herzens.