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Die Pusteblume

Heute musste ich an eine Pusteblume denken.

Manchmal entstehen Gedanken ganz leise. Sie kommen nicht plötzlich als große Erkenntnis, sondern wachsen Schritt für Schritt. So war es auch heute.

Als ich über Seelen-Erinnerungen und Seelen-Geschenke nachdachte, erschien vor meinem inneren Auge eine Pusteblume.

Zuerst verstand ich nicht, warum.

Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr begann sie zu mir zu sprechen.

Eine Pusteblume wird nicht als zarte, schwebende Kugel geboren.

Sie beginnt als kleine Knospe.

Dann öffnet sie ihre leuchtend gelbe Blüte und richtet sich dem Licht entgegen.

Erst wenn ihre Zeit gekommen ist, verwandelt sie sich.

Aus der Blüte wird eine Kugel voller kleiner Samen.

Keiner dieser Samen weiß, wohin der Wind ihn tragen wird.

Und doch fliegen sie los.

Nicht aus Eile.

Nicht aus Pflicht.

Sondern weil ihre Zeit gekommen ist.

Ich glaube, auch unser innerer Weg ist oft genau so.

Wir können Erkenntnisse nicht erzwingen.

Sie wachsen in uns.

Sie brauchen Zeit.

Sie dürfen reifen.

Und irgendwann spüren wir, dass etwas, das lange in uns gelebt hat, bereit ist, weitergegeben zu werden.

Vielleicht ist genau das Schreiben das für mich geworden.

Ich schreibe nicht, um Menschen zu verändern.

Ich schreibe auch nicht, weil ich Antworten auf alles habe.

Ich schreibe, weil ich einen kleinen Samen verschenken möchte.

Ein Gedanke.

Ein Bild.

Ein Gefühl.

Ein leiser Impuls.

Mehr braucht es manchmal gar nicht.


Vielleicht fällt dieser Samen auf einen Weg und wird vom Wind weitergetragen.

Vielleicht landet er auf steinigem Boden.

Vielleicht ruht er lange, bevor er zu wachsen beginnt.

Und vielleicht trifft er genau das Herz eines Menschen, der ihn in diesem Moment braucht.

Das darf ich nicht entscheiden.

Ich darf nur vertrauen.

Während ich weiter über die Pusteblume nachdachte, wurde mir noch etwas bewusst.

Bevor sie ihre Samen verschenken kann, blüht sie selbst.

Sie leuchtet in einem warmen Gelb.

Für mich ist dieses Gelb wie das Licht.

Wie das Erwachen.

Wie das innere Erkennen.

Sie sammelt dieses Licht nicht für sich allein.

Sie verwandelt es.

Und gibt es später in vielen kleinen Samen weiter.

Vielleicht geschieht das auch zwischen uns Menschen.

Nicht durch große Worte.

Nicht durch Überzeugungen.

Sondern von Herz zu Herz.

Ein Satz kann ein Herz berühren.

Ein Bild kann eine Erinnerung wecken.

Eine Begegnung kann etwas in Bewegung bringen.

Ganz leise.

Fast unbemerkt.

Heute glaube ich, dass wir nicht dafür da sind, andere zu verändern.

Vielleicht sind wir einfach da, um kleine Samen des Lichts in die Welt zu tragen.

Was daraus wächst, entscheidet das Leben.

Und das ist gut so.


Vielleicht begegnet dir heute irgendwo eine Pusteblume.

Vielleicht erinnerst auch du dich dann daran, dass alles seinen eigenen Rhythmus hat.

Dass Wachstum Zeit braucht.

Und dass manchmal ein einziges Samenkorn genügt, um irgendwann eine ganze Wiese zum Blühen zu bringen.

Manchmal genügt ein kleiner Samen des Lichts, der von Herz zu Herz weitergetragen wird. Alles Weitere darf in seiner eigenen Zeit wachsen.

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