
Die Geschichte, die einfach kam

Manchmal weiß ich nicht, was aus mir heraus möchte.
Dann sitze ich da und warte.
Dieses Mal fühlte es sich fast ein bisschen an wie Verstopfung. Irgendetwas wollte offenbar heraus, aber es kam zunächst nichts.
Also wartete ich.
Und dann war plötzlich ein Wort da.
Schmerz.
Einfach so. Urplötzlich in meinen Gedanken.
Ich hatte es nicht gesucht. Ich hatte mir keine Geschichte überlegt. Ich wusste nicht einmal, wohin das führen würde.
Dann kam das nächste Wort:
Loslassen.
Danach:
Gebären.
Und dann:
Zangengeburt.
Spätestens an diesem Punkt dachte ich: Aha. Da scheint tatsächlich eine Geschichte entstehen zu wollen.
Aber welche?
Ich wusste es nicht.
Also machte ich das, was ich inzwischen immer öfter übe:
Ich nahm wahr.
Ich wartete nicht auf die Antwort.
Ich versuchte nicht, vorauszulaufen.
Ich ließ einfach das nächste Puzzleteil kommen.
Und dann kam:
Licht.
Danach:
strahlend hell.
Und plötzlich:
Freude.
Die Geschichte nahm eine Richtung an.
Aber sie war noch lange nicht zu Ende.
Dann kam ein Wort, bei dem ich zunächst dachte: Das kann doch nicht das richtige sein.
Allmacht.
Dieses Wort sollte ich nicht schreiben.
Es drückte nicht das aus, was ich wahrnahm.
Also suchte ich nach einem anderen Wort.
Und dann war es da:
Omnipotenz.
Heute verstehe ich besser, warum gerade dieses Wort kommen wollte.
Für mich bedeutet Omnipotenz hier nicht, über andere Macht zu haben oder alles kontrollieren zu können.
Es bedeutet vielmehr, die eigene Schöpferkraft zu erkennen.
Vielleicht trägt jeder Mensch viel mehr in sich, als ihm bewusst ist. Gaben, Eigenschaften, Fähigkeiten und Werkzeuge, die ihm zur Verfügung stehen.
Manchmal sind sie schon lange da.
Wir sehen sie nur nicht.
Und vielleicht verändert sich genau das, wenn es heller wird. Wenn wir beginnen, uns selbst wirklich wahrzunehmen.
Wir erkennen, was in uns steckt.
Wir erkennen, was wir können.
Und wir können beginnen, diese Gaben und Werkzeuge zu nutzen und unser eigenes Leben mitzugestalten.
Jeder ist auf seine Weise Schöpfer seines Lebens.
Jeder darf sein eigenes Glück schmieden.
Nicht, weil wir alles kontrollieren können.
Sondern weil wir viel mehr Einfluss auf unseren Weg haben, als wir vielleicht lange geglaubt haben.
Und kaum war dieser Gedanke da, kam das nächste Wort:
unendliche Liebe.
Auch das fühlte sich für mich nicht zufällig an.
Denn wenn wir unsere eigene Kraft erkennen, geht es nicht darum, größer zu sein als andere.
Im Gegenteil.
Vielleicht beginnt genau dort die Erkenntnis, dass auch jeder andere Mensch seine eigene Kraft, seine eigenen Gaben und seinen eigenen Weg trägt.
Meine Größe nimmt dir deine nicht weg.
Deine nimmt mir meine nicht weg.
Und so führt die eigene Schöpferkraft nicht in die Trennung, sondern in etwas ganz anderes:
Liebe.
Und dann kam:
Geborgenheit.
Vielleicht ist das genau das, was entsteht, wenn wir nicht mehr gegen uns selbst kämpfen müssen.
Wenn wir wissen: Ich darf sein, wie ich bin. Ich muss mich nicht kleiner machen. Ich muss mich aber auch nicht über andere stellen.
Ich darf mich selbst erkennen – und gleichzeitig angenommen sein.
Und aus Geborgenheit wurde:
Gemeinschaft.
Das Wort erinnerte mich sofort an eine Vision, die ich vor einiger Zeit hatte.
Ich sah ein Band. Auf diesem Band stand das Wort Freundschaft. Das Band lag um eine Gruppe von Menschen.
Damals dachte ich:
In Freundschaft vereint.
Dann erschien ein Kristall – oder vielleicht eher ein Diamant.
Und plötzlich wusste ich:
In Freundschaft und Liebe vereint.
Heute muss ich bei den Worten Gemeinschaft und Zusammenhalt wieder an dieses Bild denken.
Vielleicht war es schon damals ein Puzzleteil.
Denn Gemeinschaft bedeutet für mich nicht, dass wir alle gleich sein müssen.
Und Zusammenhalt bedeutet nicht, dass wir uns gegenseitig festhalten.
Es bedeutet, dass Menschen miteinander verbunden sein können, ohne ihre eigene Einzigartigkeit zu verlieren.
Dass jeder seine eigenen Gaben mitbringt.
Seine eigene Geschichte.
Seine eigene Kraft.
Und dass genau daraus etwas Gemeinsames entstehen kann.
In Freundschaft und Liebe vereint.
Und dann kam das letzte Wort:
Freiheit.
Ich glaube, genau darin liegt das Fazit dieser Geschichte.
Freiheit bedeutet für mich nicht, von allem und jedem losgelöst zu sein.
Freiheit bedeutet auch nicht, alles allein machen zu müssen.
Vielleicht bedeutet Freiheit vielmehr, ganz bei sich selbst angekommen zu sein und trotzdem verbunden bleiben zu können.
Ich darf meine eigenen Gaben leben.
Du darfst deine leben.
Ich darf meinen Weg gehen.
Du darfst deinen gehen.
Und trotzdem können wir uns begegnen.
In Freundschaft.
In Liebe.
In Gemeinschaft.
Im Zusammenhalt.
Ohne uns gegenseitig festzuhalten.
Denn vielleicht ist genau das die Freiheit:
Verbunden zu sein und trotzdem ganz man selbst bleiben zu dürfen.
Und wenn ich die Worte heute noch einmal vor mir sehe, staune ich ein wenig.
Ich habe diese Geschichte nicht geplant.
Ich habe sie nicht geschrieben.
Die Wörter kamen einfach.
Eines nach dem anderen.
Wie Puzzleteile.
Und erst als alle da waren, konnte ich erkennen, welches Bild sie gemeinsam ergeben.
Vielleicht ist das manchmal unser Weg.
Nicht alles vorher wissen.
Nicht vorauslaufen.
Nicht versuchen, das nächste Puzzleteil zu erzwingen.
Sondern wahrnehmen.
Warten.
Und darauf vertrauen, dass sich das Bild zeigt, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Schmerz.
Loslassen.
Gebären.
Zangengeburt.
Licht.
Strahlend hell.
Freude.
Omnipotenz.
Unendliche Liebe.
Geborgenheit.
Gemeinschaft.
Zusammenhalt.
Freiheit.
Vielleicht erzählt diese Reihenfolge nicht nur eine Geschichte.
Vielleicht erzählt sie meine Geschichte.
Und vielleicht ist sie gleichzeitig eine Geschichte, die jeder Mensch auf seine ganz eigene Weise erleben kann.
Denn am Ende geht es vielleicht immer wieder um dasselbe:
Zu erkennen, wer wir sind.
Zu erkennen, was in uns liegt.
Unser Leben daraus zu gestalten.
Zu lieben.
Verbunden zu sein.
Und frei zu sein.