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Alles hat seine Zeit

Lange Zeit dachte ich, ich müsste wissen, wann etwas geschieht.

Ich wollte verstehen, warum manches so lange dauert. Warum sich Türen nicht öffnen, obwohl ich doch längst bereit zu sein glaubte. Warum bestimmte Wünsche nicht in Erfüllung gingen, obwohl ich sie mir so sehr gewünscht hatte.

Und manchmal fragte ich mich, ob ich etwas übersehe.
Ob ich nicht genug getan hatte.
Ob ich geduldiger, mutiger oder einfach schneller sein müsste.

Heute sehe ich vieles anders.

Ich glaube nicht mehr, dass alles sofort geschehen muss, nur weil wir es uns wünschen.

Manches braucht Zeit.

Nicht, weil wir falsch sind.
Nicht, weil wir etwas versäumt haben.
Sondern weil wir selbst erst in etwas hineinwachsen dürfen.

Vielleicht gibt es Dinge, die wir heute noch gar nicht tragen könnten, obwohl wir glauben, schon bereit dafür zu sein.

Vielleicht muss erst etwas in uns entstehen, bevor etwas im Außen seinen Platz finden kann.

Ich habe gelernt, dass auch die Stille eine Zeit hat.

Eine Zeit, in der scheinbar nichts geschieht und doch so vieles in Bewegung ist.

Eine Zeit, in der Wurzeln wachsen, obwohl wir noch keine Blätter sehen.

Eine Zeit, in der wir loslassen, was nicht mehr zu uns gehört.

Und eine Zeit, in der plötzlich etwas geschieht, von dem wir irgendwann erkennen:

Jetzt ist es soweit.

Nicht früher.
Nicht später.

Jetzt.

Heute muss ich nicht mehr alles beschleunigen.

Ich muss nicht mehr an jeder Tür rütteln, die sich nicht öffnet. Ich darf warten, wenn etwas noch nicht bereit ist. Ich darf vertrauen, dass auch mein Leben seinen eigenen Rhythmus kennt.

Und vielleicht ist das eine der schönsten Formen von Vertrauen:

Nicht zu wissen, wann etwas kommt –
und trotzdem zu wissen, dass ich nicht zu spät bin.

Denn ich bin nicht auf einer Zeitlinie unterwegs, auf der ich etwas verpassen könnte.

Ich bin auf meinem eigenen Weg.

Und vielleicht war manches, worauf ich so lange gewartet habe, längst unterwegs.

Es musste nur noch seine Zeit erreichen.

Heute kann ich manches einfach sein lassen.

Ohne Druck.
Ohne „Wann endlich?“
Ohne den Versuch, dem Leben vorauszulaufen.

Ich darf atmen.

Ich darf wachsen.

Ich darf warten.

Und ich darf darauf vertrauen, dass das Leben nicht gegen mich arbeitet, nur weil es anders geschieht, als ich es mir vorgestellt habe.

Alles hat seine Zeit.

Auch ich.

Und vielleicht ist genau das die Erinnerung, die ich mir selbst immer wieder schenken möchte:

Ich muss nirgendwo schneller ankommen.
Ich darf in meiner Zeit sein.

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